3. PornfilmfestivalBerlin 22.-26.10.2008

SimulationsRaum – Stefan Höltgen: PFF: »Das ist so erfolgreich, weil es so ungeil ist.«

Posted in reviews, Trashbacks by assistant2008 on November 2, 2008

Film & Diskussion: Harry S. Morgan “Happy Video Privat”

(links: Jürgen Brüning, rechts: Harry S. Morgan)

Zunächst wurden vier Epidsoden aus verschiedenen Teilen der Reihe “Happy Video Privat” gezeigt: 1. “Birgit und Steffen aus Leipzig – Faustfick in Sachsen”, 2. “Eva und Miro aus Wuppertal – Liebeslust im Zug” (der war auch Bestandteil der Hauptseminarreihe), 3. “Karin und Ina aus Osnabrück – Harry ist sprachlos …” und 4. “Silke und Marko aus Viersen – Anale Leidenschaft”. Schon während des Screenings, bei dem der Regisseur anwesend war, konnte ich ein paar spannende Kommentare aufschnappen, die dieser seiner Begleitung und Sitznachbarin gegeben hat. Neben der Feststellung, wie abscheulich manche Tapeten in den Filmen sind, war es vor allem jener Satz, der die Überschrift dieses Eintrags ziert.

Das war dann auch das zentrale Thema der Diskussion hinterher. Morgan vertrat vehement die These, dass seine Filmreihe weder Pornografie sei (”Meine Filme können keine Wichsvorlage sein.”) noch irgend einer Form von Aufklärung verpflichtet seien. Vielmehr böten Sie dem Zuschauer eine Art Spiegel, der den zeigt, was andere machen, was möglich ist und dass es eben nicht nur schöne Körper gebe. Was aber anderes ist Pornografie? Und woher weiß der Regisseur, aus welchen Motiven seine Filme angesehen werden? Mir schien es eher so, als habe Morgan ein bestimmtes Ideal-Bild seiner Arbeit, einen Ethos, der zwar nicht unbedingt etwas mit der Wirklichkeit, aber mit seinem Selbstbild als Filmemacher zu tun hat. Als solcher hält er sich übrigens erstaunlich zurück: Nach eigenen Angaben ist er bei den pornografischen Aufnahmen nie dabei (etliche Episoden in “Happy Video Privat” zeigen aber, dass das nicht stimmt) und in der ersten Folge habe er sogar regelrecht Angst vor den Hardcore-Aufnahmen gehabt.

Dementsprechend wies er auch die Behauptung zurück, in seinen Interviews provoziere er die Paare durch suggestive Fragestellungen und seine (heteronormativen) Vorstellungen von Sexualität und Liebe. Seine Interviews seien journalistisch. Auf die Entgegnung, dass gerade das Filmbeispiel “Eva und Miro” zeige, dass er in gewisser Weise herablassend sei (auf meine zugegeben etwas provokative Zwischenfrage während des Films, ob der erektionslose Miro denn trotzdem eine Gage bekommen habe, antwortete Morgan: “Ich zahle immer!”), fand er einen sehr schönen Vergleich: Es sei in seinen Filmen eben wie beim Fußballspiel: Da will man auch nicht die ganze Zeit über Tore sehen …

Ich habe dann noch ein paar Fragen zur Produktion von “Happy Video Privat” gestellt, die mir vor allem den Hintergrund des “Privaten” etwas verdeutlichen sollten. Erfahren habe ich, dass die Wohnungen der Darsteller so gut wie nicht umgeräumt wurden für die Filmaufnahmen. Kunstlicht sei nur äußerst selten verwendet worden. Am stärksten hat sich der filmische Prozess in der Postproduktion auf das Material eingewirkt: Was man in den einzelnen Folgen sieht, ist ein (pornografisch montierter!) Zusammenschnitt aus etwa 60 Minuten Rohmaterial. Mag sein, dass Pornografie beim Filmen nicht die Intention gewesen ist – am Schneidetisch entsteht sie jedoch unweigerlich. Das Rohmaterial ist bestimmt durch seinen (quasi) dokumentarischen Charakter und Einstellungen, die die Unsicherheit und die Fragen der Protagonisten wiedergeben. So etwas gehört aber nicht in einen Pornofilm.

Interessant waren dann auch noch die Erläuterungen über die Vorgespräche und das Verhalten der Darsteller im Angesicht der Kamera (man erinnere sich an den vorherigen Bei-/Vortrag über Privacy and Porn). Während in den Interviewszenen die Technik schnell vergessen war, hat sie in den Fickszenen zu erhöhter Unsicherheit und Angst bei den Darstellern geführt. Die Kamera wurde zu einem nunmehr aktiven Beobachter (klar, Nah- und Detailaufnahmen kann man als Gefilmter wohl nur schwer ignorieren). Als Reaktion hierauf begannen die Darsteller sich wie Porno-Schauspieler zu verhalten. Sie wurden schnell und hektisch und haben ihren Auftritt dann teilweise sogar an erlernten pornografischen Sequenzen orientiert (Stellungswechsel, besondere Praktiken etc.) Wenn das kein schöner Beleg für die sexual-konstruktivistische Macht von Pornografie ist …

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